3 Saarland


Saarland

Saar|land, das; -[e]s:
deutsches Bundesland.

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Saarland,
 
Land im Westen von Deutschland, mit 2 570 km2 flächenmäßig das viertkleinste (nach Berlin, Hamburg und Bremen); bei (1999) 1,072 Mio. Einwohner beträgt die durchschnittliche Bevölkerungsdichte 417 Einwohner je km2. Das Saarland grenzt an Frankreich und an der Mosel an Luxemburg, sonst an Rheinland-Pfalz; Hauptstadt ist Saarbrücken.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der Verfassung vom 15. 12. 1947 (mit späteren Änderungen) wird die gesetzgebende Gewalt vom Landtag (51 Abgeordneter, auf fünf Jahre gewählt) ausgeübt. Das Parlament besitzt ein Selbstauflösungsrecht. An plebiszitären Elementen enthält die Verfassung Volksbegehren und Volksentscheid. Die vollziehende Gewalt liegt bei der Landesregierung unter Vorsitz des vom Landtag gewählten Ministerpräsidenten; dieser ernennt und entlässt die Mitglieder seines Kabinetts und besitzt Richtlinienkompetenz.
 
 
Das Landeswappen zeigt im gevierten Schild die Wappen der vier größeren historischen Territorien, die an der Fläche des heutigen Landes Anteil haben: im heraldisch rechten oberen Feld den goldgekrönten, rot bezungten silbernen Löwen der Grafen von Saarbrücken-Commercy; oben heraldisch links auf silbernem Grund das rote Balkenkreuz des Kurfürstentums Trier; unten heraldisch rechts den mit gestümmelten silbernen Adlern belegten roten Schrägbalken der Herzöge von Lothringen sowie unten heraldisch links den rot bewehrten und gekrönten goldenen Löwen des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken.
 
 
Das Saarland ist nach der Gebietsreform von 1974 in den Stadtverband Saarbrücken und fünf Landkreise mit zusammen 52 Gemeinden gegliedert; es gibt keine Regierungsbezirke.
 
 
Der Gerichtsaufbau besteht aus einem OLG, einem Landgericht und 11 Amtsgerichten, einem Oberverwaltungs- und einem Verwaltungsgericht, einem Landesarbeitsgericht und drei Arbeitsgerichten, einem Landessozial- und einem Sozialgericht sowie einem Finanzgericht und einem Verfassungsgerichtshof.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Das Saarland hat im Norden Anteil am Schwarzwälder Hochwald des Hunsrücks, der hier 695 m über dem Meeresspiegel erreicht. Südlich vorgelagert ist das wellige Saar-Nahe-Bergland mit Acker- und Waldflächen sowie reichen Kohlenlagerstätten im Saarkohlenwald, die zur Industrialisierung im Saarland führten. Am Naturpark Saar-Hunsrück hat das Saarland einen Flächenanteil von 825 km2. Im Raum von Homburg ragt das Pfälzer Gebrüch in das Saarland hinein. Der äußerste Süden wird von der hügeligen Muschelkalkhochfläche des fruchtbaren Bliesgaus eingenommen, der Südwesten vom überwiegend bewaldeten Buntsandsteinhügelland des Warndt (mit Steinkohlenlagerstätten im Untergrund), der Westen vom fruchtbaren Saargau. Das Land gehört zum Einzugsgebiet des Rheins. Längster Fluss ist die Saar, die zwischen der Bliesmündung und der tief eingeschnittenen Saarschleife bei Mettlach durch mehrere Engtalstrecken und Talweitungen fließt. In der Talweitung von Saarlouis münden die wichtigen Nebenflüsse, von links die Nied, von rechts die Prims. Gering ist der Anteil am Lauf der Mosel (Grenzfluss).
 
 
Das Klima des Saarlands ist dem gemäßigt ozeanischen Typ zuzurechnen. Aus unterschiedlicher Höhenlage und der verschieden starken Reliefierung ergibt sich eine klimatische Kleinkammerung. Die Jahressumme der Niederschläge weist im Saartal und im unteren Niedtal mit 710-720 mm die niedrigsten Werte auf; im Übrigen erreichen die Werte im Prims-Blies-Hügelland bis 850 mm, im Saarkohlenwald, Kirkeler Wald und Warndt 900 mm, im Bliesgau 790-840 mm und im Schwarzwälder Hochwald bis 1 100 mm im Jahr.
 
 
Das Saarland liegt im Bereich der rhein- und mittelfränkischen Mundarten, im Süden wird Rheinpfälzisch, im Norden Moselfränkisch gesprochen (deutsche Mundarten). Bei einer Bevölkerungsdichte von (1996) 422 Einwohner je km2 (Bundesdurchschnitt 230) leben 53,3 % der Bevölkerung in 13 Gemeinden mit über 20 000 Einwohnern, davon haben nur zwei Städte über 50 000 Einwohner, nämlich Saarbrücken (187 600 Einwohner, das sind 17,3 % der Gesamtbevölkerung) und Neunkirchen (51 900 Einwohner). Zwischen 10 000 und 20 000 Einwohner haben 27 Gemeinden (37,9 % der Bevölkerung), unter 10 000 Einwohner 12 Gemeinden (8,9 % der Bevölkerung). Größtes Ballungsgebiet ist die Industrieachse Dillingen/Saar-Saarbrücken-Neunkirchen. Dagegen sind der Norden und Südosten des Saarlands weniger bevölkert. - In ländlichen Gemeinden herrscht die Form des Haufendorfes vor; v. a. an der Grenze zu Frankreich finden sich Straßendörfer. In den Dorfkernen überwiegen die Einhäuser, die vielfach umgestaltet wurden. Der moderne Ausbau an den Ortsrändern wird von Einfamilienhäusern geprägt. In der Nähe des Saarkohlenwaldes entstanden seit Mitte des 19. Jahrhunderts Arbeiterbauernhäuser und innerhalb des engeren Industriegebiets die von der preußischen und später der saarländischen Regierung geförderten »Kolonien« der Bergarbeiter. Zahlreiche Dörfer wurden so zu Industrie- oder Arbeiterwohngemeinden, einige von ihnen erlangten inzwischen Stadtrecht.
 
 
69,4 % der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an, 20,8 % einer evangelischen Landeskirche. Die katholischen Christen gehören zu den Bistümern Trier und Speyer. Seitens der evangelischen Landeskirchen umfasst das Saarland je einen Anteil des Kirchengebietes der »Evangelischen Kirche im Rheinland« und der »Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche)«. Der jüdische Landesverband Saarbrücken zählt rd. 900 Mitglieder (Gemeinde Saar mit Sitz in Saarbrücken).
 
 
Die geographische Lage und die historische Entwicklung des Saarlands sind Orientierungspunkte für die europäische Ausrichtung des Bildungssystems, so z. B. für die besondere Rolle der französischen Sprache im Unterricht. Die Grundschule ist vierjährig. Nach einer Verfassungsänderung ersetzt ab 1997/98 die erweiterte Realschule die auslaufende Haupt-, Real- und Sekundarschule. Weiterhin gibt es Gesamtschulen, Gymnasien sowie Schulen für Behinderte. Die Gymnasien sind entweder neusprachlich (drei Pflichtfremdsprachen) oder mathematisch-naturwissenschaftlich (zwei Pflichtfremdsprachen) profiliert. In der gymnasialen Oberstufe müssen u. a. Deutsch, eine Fremdsprache und Mathematik durchgängig bis zum (Zentral-)Abitur belegt und in die Gesamtqualifikation zur allgemeinen Hochschulreife eingebracht werden. Im beruflichen Schulwesen führen Berufsbildungszentren zu einer Vielzahl beruflicher, allgemein bildender und auch doppelt qualifizierender Abschlüsse. Volkshochschulen und Telekollegs bieten Kurse für schulische Abschlüsse an. Über den zweiten Bildungsweg kann das Abitur am Kolleg oder Abendgymnasium abgelegt werden, der mittlere Bildungsabschluss an erweiterten Realschulen in Abendform. Es gibt je eine Universität, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Hochschule für Musik und Theater, Hochschule für bildende Künste; darüber hinaus eine Fachhochschule für Verwaltung und eine Katholische Fachhochschule für Soziale Arbeit.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Das Saarland befindet sich weiterhin in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Strukturwandel. Die traditionelle Industrie (Steinkohleförderung, Stahlproduktion) hat an Bedeutung verloren. Nur noch jeder 8. Erwerbstätige gehört noch zu diesem Bereich. Deutlich zugenommen hat die Bedeutung technologieorientierter Produktions- und Dienstleistungsbetriebe. Der Fahrzeugbau spielt eine überdurchschnittliche Rolle. Neuer Schwerpunkt ist »Information und Kommunikation«.
 
Charakteristisch für den Standort ist die enge Zusammenarbeit mit den regionalen Nachbarn in Lothringen und Luxemburg (»Europaregion SaarLorLux«). Frankreich ist der wichtigste Handelspartner.
 
Arbeitsplatzverluste im Bergbau sowie in der Eisen- und Stahlindustrie konnten durch das Beschäftigungswachstum der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungssektor weitgehend ausgeglichen werden.
 
Bedingt durch die Strukturkrisen der 60-er und 70-er Jahre lag die Arbeitslosenquote in der Vergangenheit deutlich über dem Bundesdurchschnitt, heute ist der Abstand zurückgegangen: Saarland 11,9 %, Bund 11,7 % (1999).
 
Der Anteil des Saarlands am BIP Deutschlands liegt bei (1999) 1,2 %. Mit einem BIP je Erwerbstätigen von (1999) 102 932 DM und einem BIP je Einwohner von 42 896 DM liegt das Saarland unter dem Bundesdurchschnitt von 107 381 DM beziehungsweise 45 468 DM.
 
 
Die Land- und Forstwirtschaft hat eine geringe Bedeutung, 0,5 % der Erwerbstätigen erwirtschaften (1999) 0,8 % des BIP. Von der landwirtschaftlich genutzten Fläche (1999: 77 157 ha) sind 51 % Ackerland und 48 % Dauergrünland. Als Wald werden (1999) 75 837 ha ausgewiesen. Das Saarland ist in weiten Teilen ein Grünlandstandort. Die rd. 580 Haupterwerbsbetriebe bewirtschaften rd. 96 ha und sind zu mehr als zwei Dritteln Futterbau- oder Gemischtbetriebe.
 
Bekannt ist der Gemüseanbau bei Saarlouis. Weinbau wird an der Mosel betrieben (Mosel, Saar, Ruwer). Viehwirtschaft (1999: 62 539 Rinder, 27 095 Schweine, 15 444 Schafe) findet sich v. a. in den Landkreisen Merzig-Wadern, Sankt Wendel und Saarlouis.
 
 
Im industriellen Sektor erwirtschaften (1999) 27,5 % der Erwerbstätigen 25,7 % des BIP. Im Bergbau wurde 1955 mit einer Steinkohleförderung von 17,2 Mio. t ein Höchststand erreicht. Seitdem ist die Förderung rückläufig und liegt (1999) bei 6,4 Mio. t. Etwa 11 300 Erwerbstätige sind noch im Bergbau (vorwiegend Deutsche Steinkohle AG) beschäftigt (1960: 55 750). Auf der Basis saarländischer Steinkohle und lothringischer Minette hat sich die Eisen- und Stahlindustrie entwickelt. Hütten stehen heute in Dillingen (Dillinger Hütte AG) und Völklingen (Saarstahl AG). In der Eisen schaffenden Industrien (Erzeugung von Roheisen, Stahl, Ferrolegierungen) sind (1999) noch 11 000 Erwerbstätige beschäftigt (1960: 42 100). Die Rohstahlerzeugung beträgt (1999) 4,3 Mio. t (bisheriger Höchstwert 1976: 6,4 Mio. t).
 
Seit den 60-er Jahren haben sich zahlreiche neue Industriebetriebe angesiedelt. So arbeiten (1999) bei den Vorleistungsgüterproduzenten 63 400 Erwerbstätige. Neben der Metallerzeugung (1999: 15 000 Beschäftigte) und dem Maschinenbau (1999: 15 200 Beschäftigte) sind es insbesondere der Straßenfahrzeugbau (1999: 19 600 Beschäftigte, v. a. in Saarlouis) und dessen Zulieferer, v. a. in Homburg), die zu wichtigen Faktoren der Saar-Wirtschaft wurden. Hinzu kommen elektrotechnische und elektronische Industrie. In der Verbrauchsgüterproduktion sind (1999) 10 900 Erwerbstätige beschäftigt, v. a. in der Feinkeramik (Mettlach, Merzig), der Holzverarbeitung, der Herstellung von Kunststoffwaren und in der Bekleidungsindustrie. Schwerpunkte der Nahrungs- und Genussmittelindustrie bilden die Fleischwarenherstellung und die Brauereien.
 
 
Der Dienstleistungssektor hat stark an Bedeutung gewonnen: 65,9 % (1999) der Erwerbstätigen erwirtschaften hier (1999) 63,4 % des BIP. Besonders hohe Steigerungsraten weisen der Informations- und Kommunikationsbereich sowie die produktionsorientierten Dienstleistungen auf. Gut entwickelt hat sich in den letzten Jahren auch der Tourismus. Saarbrücken ist Messe- und Kongressstadt. Schwerpunkte des Kur- und Fitnesstourismus finden sich im nördlichen Landesteil (Schwarzwälder Hochwald und »Saarschleife«).
 
Verkehr:
 
Das Saarland verfügt über eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, u. a. mit der höchsten Autobahndichte unter den Bundesländern. Die wichtigsten Straßenverbindungen (überörtliches Straßennetz 2 031 km, darunter 236 km Autobahnen) laufen im Raum Saarbrücken zusammen. Die Autobahnen Mannheim-Saarbrücken-Paris sowie nach Luxemburg und ins Rheinland sich die wichtigsten Fernstraßen. Die Eisenbahnlinie Metz-Saarbrücken-Mannheim wird Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Der Ausbau der Saar zur Großschifffahrtsstraße ist weitgehend abgeschlossen. Saarbrücken verfügt über einen internationalen Verkehrsflughafen (Ensheim).
 
 
Auf der Grundlage des »Saarstatuts« des Versailler Vertrags vom 28. 6. 1919 (Art. 45-50) wurden die südlichen Teile der preußischen Rheinprovinz (1 465 km2) und die westlichen Teile der bayerischen Pfalz (416 km2) auf 15 Jahre dem Völkerbund als Treuhänder unterstellt (Saargebiet). Danach sollte eine Volksabstimmung über die staatliche Zugehörigkeit des Saargebietes endgültig entscheiden. Da der französische Plan, die Grenze zu Deutschland bis an den Rhein zu verlegen (Abtretung der linksrheinischen deutschen Gebiete an Frankreich), am Widerspruch der USA und Großbritanniens scheiterte, verfolgte die französische Deutschlandpolitik das Ziel, über die Besetzung der Rheinlande hinaus durch eine zeitweilige Herauslösung des Saargebietes aus dem deutschen Staatsverband das deutsche Machtpotenzial möglichst langfristig zu schwächen und damit das französische Sicherheitsbedürfnis gegenüber Deutschland zu befriedigen. Der Versuch des deutschen Außenministers G. Stresemann, in den Gesprächen zu Thoiry (September 1926) mit seinem französischen Amtskollegen A. Briand eine »Gesamtlösung« der zwischen Deutschland und Frankreich strittigen Fragen zu erreichen, schloss auch die vorzeitige Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich ein, scheiterte aber an innen- und außenpolitischen Widerständen.
 
Nach dem In-Kraft-Treten des Versailler Vertrags (10. 1. 1920) übernahm am 27. 2. 1920 eine Regierungskommission im Namen des Völkerbunds die Verwaltung des Saargebiets. Unter ihrer Jurisdiktion konnte Frankreich seine wirtschaftlichen und politischen Interessen im Saargebiet entfalten und seinen Einfluss dort sichern: u. a. Einführung des Franc als alleiniges Zahlungsmittel (1923), Einbeziehung in das französische Zollgebiet (1926). In Opposition zur Regierungskommission standen die Gewerkschaften und die in den deutschen politischen Traditionen stehenden Parteien; sie waren in dem 1922 mit beratender Funktion eingerichteten Landesrat vertreten; die stärksten Parteien waren Zentrum, Deutsch-Saarländische Volkspartei, KPD und SPD. Spielte der Rechtsradikalismus bis Anfang 1933 nur eine untergeordnete Rolle, so gewann die NSDAP-Saar nach dem Regierungsantritt Hitlers in Deutschland im Rahmen der »Deutschen Front« (gegründet im Juli 1933) wachsenden Einfluss, zumal sich Zentrum und Deutsch-Saarländische Volkspartei, Mitgründer der »Deutschen Front«, noch im selben Jahr als eigenständige Organisationen auflösten. Bei der Abstimmung am 13. 1. 1935 entschieden sich 90,76 % der Bevölkerung für die Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland. Angesichts der NS-Diktatur hatten eine »Einheitsfront der Kommunisten und Sozialdemokraten« und oppositionelle Zentrumskreise um J. Hoffmann zur Stimmabgabe für den Status quo aufgefordert. Am 1. 3. 1935 wurde das Saargebiet unter dem Namen »Saarland« mit Deutschland vereinigt.
 
Nach dem Zusammenbruch Deutschlands (Mai 1945) nahmen die französischen Regierungen die Saarpläne von 1919 in veränderter Form wieder auf und versuchten, Frankreich wiederum den Besitz der Saarkohle zu sichern. Das Saarland, um mehr als 100 Gemeinden (auf Kosten des späteren Rheinland-Pfalz) vergrößert, wurde aus der französischen Besatzungszone in Deutschland ausgegliedert, der Kompetenz des Alliierten Kontrollrats für Deutschland entzogen und im Rahmen der französischen Militärregierung für Deutschland einer eigenen Behörde unterstellt. Die französische Regierung schob die Zollgrenze an die neue Grenze zur französischen Besatzungszone vor (18. 12. 1946). Bei der Neuorganisation des politischen Lebens im Saarland traten von deutscher Seite v. a. die von Hoffmann geführte Christliche Volkspartei (CVP) und die Sozialistische Partei Saar (SPS) für den wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich und für die politische Autonomie des Saarlands ein. Der Mouvement pour le Rattachement de la Sarre à la France (MRS) erstrebte die politische Angliederung des Saarlands an Frankreich. Die (nationalliberale) Demokratische Partei Saar (DPS; 1951-55 verboten) und die KP bekämpften die französische Saarpolitik. Bei den ersten Landtagswahlen (5. 10. 1947) gewann die CVP mit 51,2 % die absolute Mehrheit; dennoch bildete Hoffmann eine Koalitionsregierung aus CVP und SPS. Gemäß der Verfassung vom 15. 12. 1947 übte ein französischer Hochkommissar (Gilbert Grandval, * 1904, ✝ 1981) die Kontrolle über die Regierung aus. Am 1. 4. 1948 trat eine Zollunion mit Frankreich in Kraft. Mit den »Saarkonventionen« vom 3. 3. 1950 (revidiert am 20. 5. 1953) suchte Frankreich seine Stellung im Saarland auszubauen. 1950 wurde das Saarland Mitglied des Europarates, 1951 (von Frankreich vertreten) Mitglied der Montanunion.
 
Nachdem der Deutsche Bundestag am 23. 7. 1952 das Selbstbestimmungsrecht für die Saarbevölkerung gefordert hatte, suchte die Bundesregierung unter K. Adenauer die Saarfrage im Kontext mit der europäischen Integrationspolitik zu lösen und vereinbarte mit der französischen Regierung unter P. Mendès-France im Rahmen der Pariser Verträge (1954/55) ein »Europäisches Saarstatut«. 1955 schloss sich die (wieder zugelassene) DPS mit der neu gegründeten CDU-Saar und der DSP (Deutsche Sozialdemokratische Partei) zum »Heimatbund« zusammen. Nach einem heftigen Abstimmungskampf zwischen den Parteien, die die »Europäisierung der Saar« befürworteten (CVP und SPS), und den Heimatbundparteien, die die Angliederung an die Bundesrepublik Deutschland forderten, lehnte die Bevölkerung am 23. 10. 1955 mit 67,7 % der Stimmen das »Europäische Saarstatut« ab. Unter dem Eindruck dieses Votums schlossen die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich am 27. 10. 1956 das Saarabkommen, demgemäß das Saarland zum 1. 1. 1957 in die Bundesrepublik Deutschland eingegliedert wurde. Am 5. 7. 1959 wurde der Prozess der wirtschaftlichen Eingliederung vorzeitig abgeschlossen. Aus den Neuwahlen vom 18. 12. 1955 ging die CDU-Saar mit 25,4 % der Stimmen als stärkste Partei hervor, gefolgt von DPS (24,2 %; seit 1957 Landesverband der FDP), CVP (21,8 %), DSP (14,3 %; 1957 in der SPD aufgegangen), KP (6,6 %) und SPS (5,8 %). Die CDU, 1955-80 stärkste Partei im Landtag, stellte bis 1985 den Ministerpräsidenten (meist an der Spitze von Koalitionsregierungen): 1955-57 Hubert Ney (* 1892, ✝ 1984), 1957-59 Hans Egon Reinert (* 1908, ✝ 1959), 1959-79 F.-J. Röder und 1979-85 W. Zeyer. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (1956) wurde die saarländische KP in das KPD-Verbot einbezogen; die SPS verschmolz mit der SPD, die CVP ging nach einer kurzen Oppositionsrolle im Landtag und der Abspaltung der Saarländischen Volkspartei (SVP) in der CDU auf. Bis etwa 1970 vollzog sich der Angleichungsprozess an die Bundesrepublik Deutschland (z. B. im Gerichtswesen, auf dem Rundfunksektor, im Bildungswesen). 1980-99 war die SPD stärkste Partei im Landtag und stellte mit O. Lafontaine (1985-98) und R. Klimmt (1998-99) den Ministerpräsidenten. Nach den Landtagswahlen vom 5. 9. 1999 übernahm die CDU unter Ministerpräsident Peter Müller wieder die Regierungsverantwortung (mit absoluter Mehrheit).
 
 
Robert H. Schmidt: Saarpolitik 1945-1957, 3 Bde. (1959-62);
 
Saarländ. Bibliogr., bearb. v. L. Drehmann u. a., auf zahlr. Bde. ber. (1964 ff.);
 M. Zenner: Parteien u. Politik im Saargebiet unter dem Völkerbundsregime 1920-1935 (1966);
 F. Jacoby: Die natsoz. Herrschaftsübernahme an der Saar. Die innenpolit. Probleme der Rückgliederung des Saargebiets bis 1935 (1973);
 H. Liedtke u. a.: Das S. in Karte u. Luftbild (1974);
 
Geschichtl. Landeskunde des S.s, hg. v. K. Hoppstädter u. a., 3 Bde. (1-31977-94);
 M. Born: Geograph. Landeskunde des S.s (1980);
 H. Fischer: Rheinland-Pfalz u. S. (1989);
 
Das S., hg. v. D. Soyez u. a., 2 Bde. (1989);
 W. Marzen: Die saarländ. Eisen- u. Stahlindustrie 1430-1993 (1994);
 
Saarländ. Gesch., hg. v. R. van Dülmen u. R. Klimmt (1995);
 
Die Saarregion. Zeugnisse ihrer Gesch., hg. v. J. Hannig (1995);
 
Grenz-Fall. Das S. zw. Frankreich u. Dtl. 1945-1960, hg. v. R. Hudemann (1997).

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Saar|land, das; -[e]s: Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.

Universal-Lexikon. 2012.

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